Im Kosmosviertel macht Graffiti-Projekt graue Wände lebendig

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In den vergangenen Wochen wurden über ein Graffitiprojekt des Trägers Outreach einige Hauseingänge, Hochbeeteinfassungen, eine Brandwand sowie ein Hausdurchgang neugestaltet.

Schon im Herbst letzten Jahres wurden im Rahmen eines Graffiti-Projekts des Trägers der mobilen Jugendarbeit Outreach entlang der Ortolfstraße acht Hauseingänge künstlerisch neugestaltet, nachdem diese nicht mehr so ganz ansehnlich aussahen. In diesem Jahr gab es eine Fortsetzung des Projekts. Dieses startete mit ersten Vorbereitungen im Mai, die praktische Umsetzung konzentrierte sich auf die Monate Oktober und November.

Erneut waren Kinder und Jugendliche aus dem Kiez aufgerufen, die Eingangsbereiche von Häusern und einzelne Punkte darüber hinaus in Zusammenarbeit mit Graffitikünstlern mit aufgesprühten Bildern kreativ zu gestalten. In Angriff genommen wurden diesmal die Hauseingänge in der Ortolfstraße 174 bis 178, unweit des Familienzentrums von JAO. Dabei waren sogar Jugendliche dabei, die selber in den Häusern wohnen.

Wie verlief das Projekt?

Auftakt war ein Graffiti-Workshop im Jugendklub Base24, wo Kinder und Jugendliche zunächst einmal unter professioneller Anleitung der Graffitikünstler Hannes Höhlig und Olli Johannsen erlernen konnten, wie man richtig sprüht, wie man ein künstlerisches Motiv gestaltet, welche gesetzlichen Regeln zu beachten sind und etliches mehr. Insgesamt acht junge Menschen waren regelmäßig dabei. Hinzu kam ein erweiterter Kreis, der gelegentlich mitwirkte.

Es wurde nach entsprechender Erlaubnis seitens der Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft mbH von den Projektteilnehmenden der direkte Kontakt zur jeweiligen Mieterschaft der Aufgänge gesucht, um auszuloten, ob das Vorhaben dort auf Akzeptanz stößt und was sie sich als Bildmotive in ihrem Hauseingangsbereich vorstellen können. Dabei war zu beachten, dass verschiedene gewünschte Serienfiguren aus rechtlichen Gründen nicht wirklich realisierbar waren. Es kamen aber darüber hinaus jede Menge Vorschläge zusammen, auch angeregt durch die schon im vergangenen Jahr derart realisierten Eingänge. Die Vorschläge mündeten jeweils in einen Entwurf, welcher STADT UND LAND vorgelegt wurde.

Die gesamten handwerklichen Arbeiten im Vorfeld der Graffitiaktion wurden ebenso durch Jugendliche gemacht, die sich dabei auch etwas Geld verdienen konnten. Es musste abblätternde Farbe von den Wänden und Türen abgeschliffen und diese erstmal neu grundlackiert werden, daneben Wandfliesen geputzt. Im Anschluss ging es für die Kinder und Jugendlichen zusammen mit den Graffitikünstlern an die Umsetzung der Werke. Zunächst wurde etwas an die Wand skizziert und dann nach und nach farblich ausgefüllt. Die Arbeiten erfolgten in den Nachmittagsstunden.

Die ab Anfang Oktober realisierten Werke kamen diesmal noch bunter daher als im Vorjahr. An den drei Hauseingängen entstanden Naturmotive mitsamt Tieren. Darunter stehen jeweils die Begriffe „Respekt“, „Frieden“ und „Freiheit“. Diese entstanden aus Gesprächen mit der Bewohnerschaft hervor, was sie sich besonders wünschen. Ein älterer Bewohner mit Migrationshintergrund, der bis dahin wenig Kontakte zu seiner Nachbarschaft hatte, benannte so bespielweise als Wunsch gegenseitigen Respekt. Aus dem Gespräch heraus ergab sich sogar der Hinweis, dass es eine Spaziergehgruppe im Kosmosviertel gibt, an welcher er nun teilnehmen möchte, um so mit anderen aus der Nachbarschaft Kontakte aufzubauen.

Wie schon im letzten Jahr wurde an den einzelnen Aufgängen auch an der Seite die Hausnummer größer aufgesprüht, so dass mitsamt dem individuellen Bild das Auffinden des jeweiligen Hauses sich noch einfacher gestaltet. Das Graffiti-Projekt umfasste aber auch über die drei Aufgänge hinaus noch weitere Bereiche des Kosmosviertels. So wurde mit einem größeren Bild eine Brandwand an der Siriusstraße 1 sowie ein Tunnelgang an der Siriusstraße 11 besprüht. Hierbei ging es inhaltlich um Wasser und Natur. Darüber hinaus nahm man sich den Hochbeeteinfassungen im Grünzug an der Siriusstraße an mit Motiven rund um Insekten und Pflanzen. Diese Aktion fand über den Aktionsfonds Kosmosviertel statt.

Diesmal gelang es nach den Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr auch den gesamten Ablaufprozess zu beschleunigen, in dem die Künstler sich direkt um die notwendigen Genehmigungen kümmerten, somit weniger Rücksprachen über Dritte notwendig wurden. Räume im Bürgerhaus Altglienicke dienten als Zentrale für alle Aktivitäten rund um die Hauseigänge, das Büro des Quartiersmanagements für Brandwand, Tunnel und Hochbeete. Gut war auch, dass das herbstliche Wetter ausreichend mitspielte, es auch trocken genug war.

Kinder und Jugendliche konnten im Rahmen des Projekts wieder einen eigenen Beitrag für ihren Kiez und letztlich mit mehr Farbe und Abwechslung zum Wohlfühlen im Kosmosviertel leisten. Durch die aktive Mitgestaltung entwickelt sich letztlich ein anderer Umgang mit Flächen, dass alles so erhalten bleibt. Viele der Flächen waren nicht mehr besonders ansehnlich waren, auch weil sie mit allerlei Tags übersät waren. Wände mit professionellen Graffitibildern bleiben in der Regel von letzterem verschont.

Die erforderliche Finanzierung des ganzen Projekts in Kooperation mit Stadt und Land kam über Bezirksamt und Senat aus den Programmen „Sauberkeit und Sicherheit in Großsiedlungen“ und „Gewaltprävention und Sicherheit mit Fokus Jugend“ zustande.

Foto: Outreach
Foto: Outreach
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Foto: Outreach
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Foto: Outreach
Foto: Outreach
Foto: Outreach
Foto: Outreach
Foto: Outreach
Foto: Outreach
Foto: Joachim Schmidt
Foto: Joachim Schmidt
Foto: Joachim Schmidt
Foto: Joachim Schmidt
Foto: Joachim Schmidt
Foto: Joachim Schmidt
Foto: Joachim Schmidt
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